Dracula – Bram Stoker

Der „Fürst der Finsternis“ – von keinem anderen kann hier die Rede sein, als von Bram Stokers Graf „Dracula“. Der Graf ist der klassische Held der schaurigen Weltliteratur und die zahlreichen Variationen des berühmten Vampir-Romans zeigen die Unverwüstlichkeit des Originals: Bram Stoker prägte das Bild des Vampiren und schaffte somit die Grundlage des Vampir-Genres.

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Ein Immobiliengeschäft verschlägt den Protagonisten Jonathan Harker nach Transsylvanien und in das Schloss des Grafen Dracula. Auf der Reise, aber vor allem während seines Aufenthalts im Schloss seines Gastgebers fallen ihm Merkwürdigkeiten auf, die Hinweise auf Draculas dämonisches Treiben geben: Er hat kein Spiegelbild und man sieht ihm eine plötzliche Gier an, wenn sich in dessen Nähe Blut befindet. Beunruhigende und mysteriöse Vorkommnisse ereignen sich, die den Protagonisten dazu bewegen alle Geschäfte stehen und liegen zu lassen und schließlich zu flüchten. Doch der ominöse Graf ist ihm dicht auf den Fersen.

Zusammen mit dem holländischen Gelehrten Van Helsing und anderen Männern schließt Harker ein Bündnis, um den Grafen zu jagen – doch bald wird allen bewusst, dass sie es mit etwas Übernatürlichem zu tun haben.

Viele Spekulationen, eine mitreißende Verfolgungsjagd und düstere Elemente treiben die Geschichte nach und nach zum Höhepunkt.

Wer hat Angst vor Graf Dracula?

Jeder kennt ihn, jeder hat schon einmal von ihm gehört. Aber genauso wie es schon bei Mary Shellys „Frankenstein“ und Stevensons „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ der Fall ist, so kennen die wenigstens die Romanvorlage. Dabei weichen die zahlreichen Dracula-Verfilmungen kaum vom Original ab, sodass allein Bram Stoker die Figur des Grafen mit all den Stärken und Schwächen erfunden und geprägt hat.

Die Geschehnisse in dem Roman werden anhand von Notizen, Tagebucheinträgen und Briefwechseln von den Menschen, die Dracula begegnet sind, erzählt, sodass sich die Perspektive regelmäßig ändert.

Nun könnte ich sagen, dass Bram Stoker damit alles richtig gemacht hat, da dadurch die Schrecken, die Dracula verbreitet, somit noch deutlicher hervorkommen. Ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass neben der Figur des schaurigen Vampirgrafen der Grusel- und Spannungsfaktor dadurch erheblich gesteigert wird.
Der Nachteil: Das Buch wird durch diese Erzählstrategie stellenweise langatmig. So kam es vor, dass ein und dasselbe Ereignis mehrmals beschrieben wird, dadurch, dass die Perspektive zwischen den Anwesenden des Ereignisses wechselt. Da muss man sich einfach ein Herz fassen und darüber weg lesen, denn insgesamt büßt das Buch an Spannung nicht ein.

Inhaltlich überzeugt der Autor mit wundervollen, wie auch gruseligen und detailreichen Beschreibungen der Landschaft, der abergläubischen Landbevölkerung und der Gebäude wie des Schlosses und des Irrenhauses.

Allein von dem Schluss bin ich etwas enttäuscht gewesen. Alles läuft auf einen aufregenden Showdown hinaus, wo Vampir und „Vampirjäger“ zusammentreffen und wo ich mir seitens des Grafen einen listigen Wink erhofft hatte, der nicht so leicht zu vergessen wäre. Leider kam dieser nicht.

Dennoch ist „Dracula“ für mich absolut lesenswert, und wer sich für die klassische, und schaurige Weltliteratur begeistern kann, dem kann ich dieses Werk nur ans Herz legen.

Du bist neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf die Verlagsseite für weitere Informationen zum Buch.

35 thoughts on “Dracula – Bram Stoker

  1. Hach ja, es geht doch nichts über das Original! Wenn Bram Stoker gewusst hätte, was Stephenie Meyer mal aus seinen Vampiren machen würde, hätte er sich noch vor Fertigstellung des Romans freiwillig einen Pflock ins Herz gerammt, mit den Worten: „Das hab ich nicht gewollt!“ 🙂

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      1. Stimmt an sich, aber ich würde nicht ganz so streng sein. Ich finde zwar auch, dass die meistens neuen Verarbeitungen des Vampirstoffes eher….nun ja…..sind 😀
        Aber mein liebstes Beispiel ist hierbei immer „Interview mit einem Vampir“. Kann ich jedem nur empfehlen, der auf klassischen Vampirstoff steht. Ich habe das Buch zugegebenermaßen nicht gelesen, aber der Film war schon klasse. Das Buch also (vermutlich?) auch.
        Denn das ist ein Beispiel für eine gelungene moderne Fassung. Kein Glitzervampire mit schnulziger Geschichte dahinter oder Vampire nicht der Handlung sondern des Settings wegen, sondern genau so wie ich es mag. Nah am Stoff und mit der Thematik befassend und dabei noch mit interessanter Story. 🙂

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    1. Das kann ich absolut nachvollziehen, allein die Kultur und das Herkunftsland haben schon etwas mystisches an sich.
      Allerdings hat es Frankenstein mir dann doch etwas mehr angetan. In diesem Werk hat uns weniger Frankensteins „Monster“ das Gruseln gelehrt, als vielmehr die Menschen selbst, weshalb es sich das Buch für mich „menschlich“ angefühlt hat.

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      1. Bei Dracula hatte ich immer den echten Vlad im Hinterkopf und habe mich gefragt, wie „kaputt“ bzw. wütend und verzweifelt man sein muss, um Menschen zu pfählen.
        Heute kann man sich nur schwerlich vorstellen, wie es den Menschen ergangen ist, aber ich vermute mal der Krieg war zu viel für seinen Geist und er wurde dadurch so … Gerüchten zu folge hat der echte Vlad ja wirklich das Blut einiger seiner Opfer getrunken.
        Ich frag mich nur warum … ob er es tat (wie auch einige Stämme), um die Kraft der Gefallen aufzunehmen … um die Feinde damit noch mehr abzuschrecken oder aber einfach seinem zerstörten Geist folgend…

        Ja bei Frankenstein finde ich das Monster an sich eigentlich auch gar nicht so erschreckend – damit hatte ich eher Mitleid, es ist eher die kaputte Gesellschaft die abschreckt … und Du hast Recht, es fühlt sich dadurch fast schrecklich real an :-/

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      2. Von dem „echten Dracula“, habe ich bisher nicht viel gehört – aber es gibt ja auch ein Buch über ihn im Fischer Klassiker Verlag. Das wäre sicherlich auch spannend, und erschreckend zu lesen. Das gibt dann sicherlich noch mehr Aufschlüsse zu Bram Stokers Dracula. Danke, für die Anregung. 🙂

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    1. Perfekte Herbstliteratur, das stimmt. Da kann ich jedem, der sich für die schaurigen Klassiker begeistern kann, auch nur die anderen Werke wie Frankenstein, Erzählungen von Edgar Allan Poe und Dr. Jekyll und Mr. Hyde ans Herz legen.

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      1. Vielleicht. Für mich ist es immer gut zu wissen, dass ich es im Bücherregal stehen habe, sodass ich es jederzeit heraus nehmen und neu lesen kann. Und es gibt ja ganz viele schöne Ausgaben des Buches… 🙂

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      2. Mir geht es auch so. Ich will auch immer Bücher haben und werde nicht zu elektrischen Lesegeräten wechseln. Bücher gehören zur Einrichtung und zum Lebensgefühl. Viele verstehen das nicht und sehen meine Bücher nur als Staubfänger. Allerdings musste ich schon manchmal aussortieren, es wären sonst zu viele geworden.

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    1. Wow, eine Abschlusfahrt nach Transylvanien? Das hört sich spannend und schaurig zugleich an. Muss aber sicher eine Erfahrung wert gewesen sein. – Und Dracula kann ich dir bei diesem Buch noch viel mehr ans Herz legen, wo du eine genauere Vorstellung von dem Schauplatz hast! 🙂

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  2. Ich habe Stokers „Dracula“ damals genossen und kam durch ihn in das Genre Vampire und Horrorliteratur allgemein hinein. Nach dem Lesen seines Buches kam für mich keine andere „Variante“ mehr in Frage.

    Aber ich muss dir Recht geben, Natascha, der Erzählstil in Tagebuchform ist manchmal langatmig und anstrengend. Ich empfand gerade die Zugfahrt von Jonathan als lästig. Aber später wurde es immer spannender und die Gefühle der Charaktere kamen umso besser zur Geltung.

    Ein tolles Buch 🙂

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  3. Ich habe als Teenager eine ganz alte Ausgabe vom Carl Hanser Verlag gelesen und kann mich erinnern, dass ich nach der ersten Lektüre kaum schlafen konnte vor lauter Angst, der Graf käme gleich durchs Fenster. Da Knoblauch bei uns verpönt war, habe ich mit den Ilja Rogoff-Pillen meiner Großmutter einen Kreis ums Bett gezogen … Will heissen – es ist so irre spannend und trotz der etwas antiquierten = länger ausholenden Erzählweise eines der horrorigsten Bücher, die ich je gelesen habe. (Gefolgt von der leider vergriffenen, grandiosen Suhrkamp-Übersetzung des Stephen-King Klassikers Salems Lot, um mal beim Genre Vampirroman zu bleiben.) Große Klasse, alle beide

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    1. Das ist wirklich verrückt, was ein Buch bei seinem Leser auslösen kann, wenn es wirklich gut ist – und wenn dies der Fall ist, dann hat der Autor mit seinem Werk alles richtig gemacht. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit.

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    1. Hallo Danrieding,
      ganz lieben Dank für die Nominierung – das hat uns sehr gefreut und gerne schauen wir auf deinem Blog vorbei. Allerdings – wie ich in einem anderen Kommentar bereits erklärt habe – können wir uns vor Nominierungen nicht mehr retten und nehmen vorerst nicht daran Teil. Aber wir freuen uns trotzdem sehr, Dankeschön! 🙂

      Viele liebe Grüße an dich
      Natascha

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    1. Hallo Katie,
      vielen lieben Dank für die Nominierung – gerne schauen wir einmal auf deinem Blog vorbei. Aber inzwischen wurden wir so oft nominiert, dass wir uns dazu entschieden haben, daran erst einmal nicht teilzunehmen. Aber es freut uns trotzdem sehr! 🙂

      Ganz liebe Grüße an dich
      Natascha

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