Ein Monat auf dem Land – J. L. Carr

Idyllisch und ruhig ist der Roman von J.L. Carr. Ein Buch, das ganz im Zeichen des Titels steht und während der sanften Sonnenaufgänge über Oxgodby es schafft, tief zu berühren. Die Frage die dabei im Mittelpunkt steht ist zeitlos, wie die warmen Sommertage im Jahr 1920: Wie tief können Wunden sein, und kann man das erlebte jemals wieder überwinden?

Es regnet in Strömen. Tom Birkin steigt aus dem Zug, mitten im Nirgendwo. Ein kleines Dorf in Yorkshire, er hofft hier Frieden zu finden. Er hat im 1. Weltkrieg gekämpft und ist als seelisch gebrochener Mann zurückgekehrt. In Oxgodby geht er wieder seiner alten Profession nach, dem Restaurieren von mittelalterlichen Fresken.

Stück für Stück legt er das herrliche Gemälde an der Wand der Kirche frei. Und nicht nur das. Je mehr man vom Gemälde sieht, desto offener wird auch sein Geist. Tom Birkin gewöhnt sich langsam immer mehr an das stille und idyllische Leben in Oxgodby. Er lernt die Gemeinde kennen und macht neue Bekanntschaften. Unter ihnen auch eine Frau, deren Liebe so aussichtslos scheint wie das Vergessen. Ein endloser Sommer, doch irgendwann beginnen dann doch die Tage kürzer zu werden und die Blätter zu fallen.

Ein Monat auf dem Land – Zu Idyllisch?

Das Buch von J. L. Carr schafft eine wunderschöne Atmosphäre. Man fühlt sich wohl beim Lesen, ohne dabei von übertrieben kitschigen Kunstgriffen überrannt zu werden. Die Geschichte kann zwar durchweg überzeugen, doch leider fehlt mir das gewisse Etwas. Die gewisse Würze.

Die Geschichte ist wunderschön und voller Gefühle, doch leider eben etwas zu Idyllisch. Der innere Kampf der Hauptfigur über das Vergessen der Kriegserlebnisse wird teilweise zu sehr in den Hintergrund gestellt. Leider schafft diese eine wenig dreidimensionale Hauptfigur. Am Ende des Buches bleiben viele Fragen offen, was einerseits aber auch wieder Raum für eigene Interpretationen schafft.

Weitere Infos und eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite.

8 Antworten auf „Ein Monat auf dem Land – J. L. Carr

  1. Nicht schlecht 🙂 Handlung finde ich auch nicht verkehrt und sollte vielleicht vorhanden sein 😉 allerdings mag ich auch idyllische Geschichten..davon gibt es, denke ich, zu wenig.. Klar sind Geschichten mit Spannung, Action etc reizvoller, aufregender, doch kann es ruhig einmal Ausnahmen geben. Für all die jenigen, die nicht nur Trubel, sondern auch die Harmonie wollen 🙂 VG Michelle/Nabesefa

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    1. Das stimmt auf jeden Fall – ich hoffe das man aus meiner Rezension lesen konnte, das es auch eben nur für mich zu idyllisch war. Wobei es auch nicht unbedingt Action geben muss – vielmehr habe ich mir einfach tiefere Charaktere gewünscht.
      Lg, David

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      1. Das versteh ich. Gern geschehen. Ich brauche auch nicht immer action .
        (Dies wollte ich auch in meiner Kurzgeschichte bei Sweek rüber bringen. Eine sehr tolle Seite für Autoren bzw anlernende 🙂 ich bin fan der Seite und freue mich an Schreiberwettbewerb en teilzunehmen)

        Lg Michelle

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  2. MIr hat an dem Buch gefallen. daß es jemanden beschreibt, der eine Auszeit nehmen möchte, um vom Leben zu erholen, und genau das gelingt ihm nicht: auch ohne unseren Willen npassiert immer etwas – und nie nichts – und es ist dabei egal, wie wir das finden.Pausenmodus und Intensität scheinen bei Carr kein widerspruch zu sein.

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