Herr der Fliegen – William Golding

Meilenweit von der Zivilisation entfernt und keine Rettung in Aussicht. Durch die neugewonnene Freiheit scheint der Verlust der Zivilisation leicht überwindbar. Doch was mit dem Reiz eines Abenteuers beginnt, artet schlagartig zu einem teuflischen Spiel aus. „Herr der Fliegen“ – Ein Klassiker des Nobelpreisträgers für Literatur William Golding.

Über dem Pazifischen Ozean kommt es zu einem Flugzeugabsturz, den nur wenige englische Schuljungen überleben. Sie stranden auf einer unbewohnten Insel, und sind ganz auf sich allein gestellt – ohne jegliche Anwesenheit eines Erwachsenen. Doch die anfängliche Euphorie über die neugewonnene Freiheit weicht schnell einer anderen Erkenntnis: Rettung muss her. Uneinigkeit, Machthunger und das Gesetz der Stärkeren lassen die Jugendlichen die Regeln der Zivilisation vergessen, und der Zerfall und die Verrohung der Jungen schreitet unvermeidbar voran. Es ist keine Rettung in Aussicht und den Jungen bleibt untereinander nur noch der Kampf um Leben oder Tod.

Eine schillernde Insel und das Ende der kindlichen Unschuld.

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich meine Startschwierigkeiten mit William Goldings Roman hatte. Nicht selten hatten die schillernden Beschreibungen der Insel und deren abenteuerliche Umgebung eine bemerkbar einschläfernde Wirkung auf mich. Und doch hat Goldings Roman seine Wirkung bei mir auch nicht verfehlt.

Inhaltlich überzeugt der Roman mit seiner Gesellschaftskritik, wobei sich der Autor auch nicht davor scheut Grenzen zu überschreiten und noch weiter ins Radikale zu gehen, um dem Leser auch klar seine Kritik vor Augen zu führen: Wie schnell der Zerfall einer Gesellschaft mit deren Prinzipien doch voranschreiten kann. Dafür bedient sich Golding der kindlichen Unschuld der Gestrandeten, die vorerst noch an ihre von der Gesellschaft vermittelten Werte festhalten, diese dann aber nach und nach abstreifen, da Kultur und wichtige Leitfiguren fehlen, und sich von Macht und dem Wille zu Überleben verleiten lassen. Dabei ist die negative Entwicklung der Kinder/Jugendlichen interessant mitzuverfolgen, während die Insel an sich kaum eine Veränderung durchmacht und die Schmetterlinge weiterhin selbstvergessen tanzen.

„Herr der Fliegen“ – ein Klassiker, den Vielleser auf jeden Fall gelesen haben sollten, wenn auch der Roman erst mit fortschreitender Seitenzahl seine volle Wirkung entfaltet!

Falls ihr einen genaueren Blick in das Buch werfen möchtet, dann besucht doch mal die Verlagsseite. Dort findet ihr auch die aktuelle Neuübersetzung.

39 Antworten auf „Herr der Fliegen – William Golding

  1. Ein richtig starkes Buch! Auch wenn es – wie du schon beschrieben hast -stellenweise ein wenig langatmig war, hat mich das Buch nachhaltig erschüttert. Die Gesellschaftskritik darin hat mich auch sehr beeindruckt, immernoch so aktuell wie es nur sein könnte. Für mich gehört es zu den Büchern, die man unbedingt einmal gelesen haben sollte.
    Liebste Grüße von Ida 🙂
    P.S. Ich mag deinen Büchergeschmack! 🙂

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    1. Ach, das finde ich immer wieder toll, wenn sich Leute finden mit denen sich der Büchergeschmack überschneidet – ich freue mich sehr über deinen Kommentar und deine geteilte Meinung! 🙂

      Ganz liebe Grüße an dich
      Natascha

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  2. Flashback, aber volle Kanne: Wir haben diesen Titel in der Schule gelesen. 1980 war das (unfassbar!), und ich spüre die Beklommenheit, den das Buch bei mir auslöste noch heute fast körperlich. Aber auch von mir eine ganz entschiedene Leseempfehlung.

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    1. Ja, bei mir ist es fast genauso lange her, und ich habe das Buch gehasst – aber eben genau wegen dieses Gefühls der Beklommenheit, das heute noch nachklingt. Daher auch von mir eine Leseempfehlung mit folgender Einschränkung: Ein Must-read, aber nichts für Tage, an denen Angst und Depression um die Ecke lauern.

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  3. Ich habe das Buch bisher noch nicht gelesen. Aber alle berichten von der verstörenden Gesellschaftskritik, Beklommenheit, erschüttertes Gefühl beim Lesen usw.
    Was hat es damit genau auf sich? Ohne jetzt Spoiler zu verlangen: Was löst diese Gefühle aus?

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    1. Bei mir: die Tatsache, was Machtstreben – und dann erlangte Macht – in Menschen auszulösen vermag. Es gab, viel später, ein Experiment, wo Menschen willkürlich in einem künstlich erzeugten Szenario in „Wärter“ und „Gefangene“ eingeteilt wurden; die Bezeichnung des Projektes ist mir entfallen (der 2. Weltkrieg war es nicht, fällt aber in die selbe Kategorie). Was in diesem Experiment geschah, war ähnlich beklemmend wie die Entwicklung in „Herr der Fliegen“.

      Mein Job ist es, Menschen zu helfen, die beste Version von sich zu sein/werden. Mir gruselt es angesichts der Palette von Möglichkeiten in uns.

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      1. Meinegüte, wie konnte ich mich so in der Zeit täuschen?! Ich sehe gerade, das Stanford-Prison-Experiment fand 1971 statt. Vermutlich habe ich es chronologisch in das Jahr eingeordnet, als ich zum ersten Mal davon hörte.

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    2. Die liebe Silvia (supergutefee) hat deine Frage denke ich ziemlich gut beantwortet – es ist einfach das Gesetz der Stärkeren, das in diesem Buch ganz deutlich hervorkommt. Die Vernunft spielt dabei keine Rolle, sondern vielmehr, wer sich besser präsentiert und in diesem Fall hängt das nah mit der Unterdrückung der Schwächeren zusammen.

      Ganz liebe Grüße – ich finde es übrigens toll, wenn sich unsere Leser untereinander austauschen! 🙂
      Natascha

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      1. Vielen Dank für deine Meinung, Natascha. 🙂
        Dann scheint mir das Buch als Analogie zu einer Gesellschaft zu jeder Zeit zu sein. Und wenn man darüber nachdenkt ist dieses Buch dann natürlich zeitlos. Zu jeder Zeit in jeder Geselschaft gab es Momente, in denen die Vernunft unterlag.
        Klingt durchaus interessant. Sollte ich auf meine Liste setzen.

        Und ja, ich finde solchen Austausch auch immer sehr schön^^

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    1. Auch wenn es schon etwas länger bei dir her ist, dann verfehlt es sicher auch heute nicht seine Wirkung – ich kann es dir wärmstens Empfehlen! 🙂

      Ganz liebe Grüße zurück
      Natascha

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  4. Das Buch haben wir auch in der Schule gelesen und anschließend die Verfilmung aus den 1990er Jahren gesehen. An meine persönlichen Eindrücke kann ich mich nicht mehr so gut erinnern (ist auch 20 Jahre her), aber vor ein paar Jahren habe ich ein mehrjähiges „Lese-Deine-Bücher-Die-Im-Regal-Stehen-Noch-Einmal“-Projekt gestartet und „Herr der Fliegen“ war dabei. Es hat mich dann doch nachhaltig erschüttert.

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    1. Ich weiß ganz genau was du damit meinst, mir erging es dabei nicht anders – und doch habe ich jedes Mal gehofft, dass das nicht tatsächlich passiert ist.

      Vielen Dank für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße
      Natascha 🙂

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  5. Halli hallo!

    Ich gehöre jetzt nicht unbedingt zu den Viellesern, aber interessieren würde mich das Buch schon. Daher habe ich es trotz der leisen kritischen Töne mal auf die Wunschliste gesetzt. Vielen Dank für die interessante Rezension 🙂

    Liebe Grüße, Elke!

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    1. Hallo Elke,
      ich hoffe doch sehr, dass das Buch es von deiner Wunschliste ins Bücherregal schafft – es ist trotz kleiner Kritikpunkte, die sich nach meinem Empfinden richten und somit keine Bedingung sind, einfach nur lesenswert! 🙂

      Ganz liebe Grüße an dich
      Natascha

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  6. „Der Herr der Fliegen“ gehört sicher zu den Büchern, die mich geprägt haben. Nach 50 Lebensjahren kann ich sagen, dass nur der „Steppenwolf“ von Hermann Hesse und Stefan Zweigs „Die Welt Von Gestern“ ebenso beeindruckend waren.

    Grüße

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    1. Wenn ein Autor mit seinem Werk solch eine Wirkung bei seinem Leser hinterlässt, dann hat er definitiv alles richtig gemacht. Vielen Dank für deinen Kommentar, und der „Steppenwolf“ wurde uns schon mehrmals ans Herz gelegt, also werden wir nicht drumherum kommen es zu lesen. 🙂

      Liebe Grüße
      Natascha

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  7. Ich mag das Buch sehr. Das erste Mal gelesen haben wir es in der Schule. Später dann, ein paar Jahre später im Englischkurs und dann sogar noch den Film angeschaut. Mich hat es beeindruckt und es ist eines der Bücher, die ich immer weiterempfehle.

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  8. Eine tolle Rezension! Ich hatte das im Abitur vor über zehn Jahren und erinnere mich noch gut an die Gefühle der Beklommenheit bis hin zu Entsetzen. „Herr der Fliegen“ gehört mitnichten zu meinen Lieblingsbüchern, dennoch ist es eine tolle Gesellschaftskritik. Die Frage danach, was mit Menschen passiert, die plötzlich Macht haben ist heute mindestens so aktuell wie damals. Ich fand als Schülerin das Gedankenexperiment interessant, auf welcher Seite ich stehen würde und ob ich anders handeln würde… Liebe Grüße, Carina

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    1. Hallo Carina,
      du hast Recht. Das ist ein interessanter Punkt, worüber man nachdenken kann: Auf welcher Seite würde ich stehen – oder bin ich einfach ein Mitläufer, der sich auf die Seite stiehlt. die besser da steht? Auf jeden Fall ein zeitloser Klassiker. Danke für deine lieben Worte und diese Anregung! 🙂

      Liebe Grüße
      Natascha

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    1. Wobei es ja schon einen gewaltigen Unterschied macht, ob man sich aus dem einfachen Interesse dafür entscheidet ein Buch zu lesen, oder ob man nicht drumherum kommt, weil es eben vorgegeben ist – aber es freut mich, dass dieser Umstand dir trotzdem nicht das Gefallen an dem Buch genommen hat. 🙂

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  9. Ein super geniales Buch, dass ich als Jugendliche förmlich verschlungen habe.
    Es hat mich zugleich beeindruckt und erschüttert. Natürlich stellte sich auch die Frage danach wie man selbst handeln würde, doch kann man das vom Sofa aus tatsächlich realistisch beurteilen?

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  10. Wow, Herr der Fliegen hatten wir damals in der Grundschule gelesen und gleich danach den Film geschaut (damals ein Trauma!) an viel kann ich mich jedoch nicht erinnern. Fand es trotzdem ein gelungenes Buch, welches ohne Scheu vor Kritik verfasst wurde.

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  11. Oha. Es gibt eine Neuübersetzung des Herrn der Fliegen? Das ist überaus interessant und gut zu wissen, denn über den Roman habe ich meine Diplomarbeit geschrieben.
    Ich hatte die (alte) deutsche Übersetzung in der 6. Klasse von einer Freundin ausgeliehen bekommen, die einen oder zwei Jahrgänge über mir war und die das Buch gerade im Deutschunterricht las, sehr begeistert davon war und dachte, es könne mir auch gefallen.
    Das tat es tatsächlich, und so freute ich mich sehr, als wir das Buch zwei Jahre später selbst im Unterricht lasen, allerdings im Englischunterricht und im Original. Also… dachte ich. Ich war nur massiv enttäuscht, weil mir das Buch im Original so überhaupt nicht gefiel und ich mich fragte, warum ich das zwei Jahre zuvor so toll gefunden hatte.

    Erst im Studium, als der Roman auf der Leseliste eines meiner Seminare stand und ich ihn erneut im Original las, klärte sich das Rätsel auf. Das, was wir in der Schule gelesen hatten, war eine massiv verkürzte Schulausgabe gewesen, aus der konsequent alle Stellen herausgestrichen worden waren, die das Buch so genial und so interessant machten. Eigentlich kann man den Herrn der Fliegen ja auf ganz vielen Ebenen lesen (als reine Abenteuergeschichte, als Charakterstudie, als Allegorie, als Sprachstudie), aber in dieser gekürzten Schulform blieb nur die Abenteuerebene übrig, und nicht mal die war sonderlich gelungen.

    Ich hatte also ein gewisses Trauma aufzuarbeiten, und ich war sehr froh, dass Bearbeitungen eines Buches in derselben Sprache in der Sprachtheorie auch als „Übersetzungen“ gelten, denn so war es für meinen Studiengang zur Diplom-Dolmetscherin und Übersetzerin legitim, als Thema meiner Diplomarbeit den Vergleich zwischen Original und Kurzfassung zu wählen. Mit anderen Worten, ich legte richtig viel Elan in die Arbeit, weil mir das Thema tatsächlich persönlich am Herzen lag, und ich zerriss die Schulversion ziemlich. 😀
    Wie gesagt, ich spreche nicht von der alten deutschen Übersetzung, sondern von der alten gekürzten englischen Version. Die deutsche Übersetzung habe ich seit der 6. Klasse nicht mehr in der Hand gehabt, aber es wäre trotzdem interessant, sich die Neuübersetzung einmal anzusehen, und nicht nur aus beruflichem Interesse.

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  12. ….die Verfilmung von Peter Brook von 1963 ist ein Abenteuer und für meinen Geschmack ein Juwel der Filmgeschichte!

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