Ein ganzes Leben – Robert Seethaler

Wie fühlt sich ein Leben an? Robert Seethaler versucht genau dieser Frage in den 155 Seiten seines Romans „Ein ganzes Leben“ auf den Grund zu gehen. Ob er dies schafft, und was sonst noch erwähnenswert ist an dem Buch, erfahrt ihr hier.

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Es beginnt alles, als Andreas Egger vier Jahre alt ist. Also ungefähr vier Jahre. So genau weiß das zu der Zeit, als der Junge in das Tal kommt, wo er aufwachsen und sterben wird, nämlich niemand. Der Junge wird vom Kind zum Knaben und erledigt allerlei Aufgaben als Hilfsknecht. Schließlich wird er Teil einer Gruppe junger Männer, die sozusagen die Zukunft in das abgeschottete Tal holen: Sie bauen die erste Seilbahn überhaupt, bringen Strom und Touristen. Und mit ihnen auch Stress und Lärm, etwas was es in dem Tal bisher nicht gab. Schließlich, wie sollte es anders sein, findet Andreas die Liebe seines Lebens, die er auf tragische Weise wieder verliert. Als der geschundene Mann Jahre später auf sein Leben zurückblickt, versetzt ihn vor allem eine Sache ins Staunen: Wie schnell die Jahre vergangen sind.

Ein ganzes Leben – oder nur die Oberfläche davon?

Wenn man sich den Inhalt des Buches so durchliest, klingt das alles erst einmal sehr spannend: Eine Geschichte, die Abende ausfüllen könnte. Und das tut sie auch. Wenigstens eine Woche lang, so lange, bis das Buch zu Ende ist. Robert Seethaler quetscht das ganze Leben von Andreas Egger auf die bereits erwähnten 155 Seiten und erstaunlicherweise, ist das ein ganz wundervolles Konzept. Er verzichtet auf endlose Dialoge, streicht alles schnörkelhafte und übertriebene weg. Das Buch kann man sich als Gegenstück zu der russischen realistischen Literatur, wie Tolstoi oder Dostojevski vorstellen. Übrig bleibt das, was auch schon der Titel verspricht: Das Leben.

Eine Leseprobe und weitere Infos zum Buch findet ihr auf der Verlagsseite.

17 Antworten auf „Ein ganzes Leben – Robert Seethaler

  1. Ein Spontankauf am Flughafen und eine echte Entdeckung zwischen dem Kram, was so als Urlaubslektüre so angeboten wird.
    Es ist ein großartiges Buch, das mich gleich zum ‚Trafikant‘ weiter geführt hat.

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  2. Dank für Euer Like auf meinem Blog. Wie seid Ihr denn darauf gestoßen?
    Und was entdecke ich bei meiner Schau auf Euren Blog? Das Buch kenne ich doch… da steht es im Regal und wurde schon gelesen, nur noch nicht von mir. N o c h nicht… 😉
    Viel Glück Euch beiden!
    Don Juan

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    1. Ja, ich komme ursprünglich auch aus den Bergen (Südtirol). Das was du sagst stimmt zwar, jedoch finde ich, dass es schwierig wäre, eine breite Leserschaft mit den Teilweise sehr unverständlichen Dialekt zu konfrontieren. Lg, David

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  3. Servus, Die beiden Bücher „Ein ganzes Leben“ und „Der Trafikant“ von Robert Seethaler gehören wohl zum Besten was die österreichische Gegenwartsliteratur so zu bieten hat. Ich fand beide Bücher echt lesenswert, v.a. aber „Der Trafikant“. Interessante Story. Übrigens echt cool euer Blog, mir hat´s gefallen 🙂 ! Viele Grüße aus Bayern

    P.S: Ich hab´ da noch ein paar Literaturtipps: (Vielleicht könnt ihr damit was anfangen 😉 )
    1.) „3000 Euro“ von Thomas Melle
    2.) „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle
    3.) „Das gibt´s in keinem Russenfilm“ von Thomas Brummig
    4.) „Otis“ von Jochen Distelmeyer

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  4. Es ist schon eine Weile her, dass ich den Roman gelesen habe, kann mich aber gut daran erinnern, wie fasziniert ich von der klaren Sprache war und wie leicht es Seethaler gelingt, dass ich mit dem Protagonisten mitempfunden habe. Der Roman kommt ganz und gar unprätentiös daher und schafft es, die Lebenswelt des Andreas Egger so zu schildern, dass ich, dem diese Welt in den Bergen völlig fremd ist, mühelos hineingerate.
    Auch den „Trafikanten“ fand ich großartig, phantastisch der Kontakt des Protagonisten mit Sigmund Freud.

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    1. Das was du sagst trifft es genau! Robert Seethaler schafft es einfach tolle Protagonisten zu erfinden. Seine Geschichten sind unglaublich unterhaltsam. 🙂

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