Ansichten eines Clowns – Heinrich Böll

Eine vom Wirtschaftswunder geprägte Gesellschaft, eine vermeintlich durch die Dogmen der Kirche zerbrochene Liebe und dazwischen ein Clown, der als Außenseiter als Einziger die opportunistische Haltung der Nachkriegsgesellschaft und die Widersprüchlichkeit der Würdenträger der Amtskirche erkennt und ganz offen kritisiert.

Hans Schnier, aus einer wohlhabenden Familie stammend, entscheidet sich gegen das kapitalistische Leben der Familie und strebt eine Karriere als Spaßmacher und Pantomime an. Einst sehr gefragt in dieser Branche, befindet er sich nun auf dem beruflichen Abstieg. Der Auslöser: Seine große Liebe, Marie, der der Ausbruch aus dem gesellschaftlichen Leitbild nicht gelingt, da sie zu sehr in die katholisch geprägte Gesellschaft integriert ist, hat ihn verlassen. Wobei für mich an dieser Stelle fraglich ist, ob die Beziehung tatsächlich nur aufgrund der Strukturen in Familie, Gesellschaft und Kirche zum Scheitern verurteilt ist oder ob das Scheitern auch der eigenen Verantwortung zu verschulden ist.

Der Roman spielt sich innerhalb von wenigen Stunden in der Wohnung von Hans Schnier in Bonn ab. Während Hans seinen gesamten Bekanntenkreis telefonisch kontaktiert, um an Geld zu gelangen, erfährt der Leser in Rückblicken mehr über das Leben des Protagonisten und es fällt sobald auf, dass es Hans weniger um das Geld geht, als vielmehr um sich über Opportunisten und scheinheilige Katholiken auszulassen.

Ungeschönt und direkt. Zwischen weinerlichen Schuldzuweisungen für das Scheitern der Beziehung und einem manchmal bemitleidenswerten Protagonisten, der seinen Kummer im Alkohol ertränkt und gerne in der Vergangenheit wühlt, kommt die Kritik an den Strukturen deutlich herüber und das nicht selten auf eine satirische Art.

14 Antworten auf „Ansichten eines Clowns – Heinrich Böll

    1. Wenn ein Buch dich nicht mehr loslässt, dann hat es mit seiner Wirkung alles richtig gemacht!
      Ich freue mich sehr darüber, dass du hier vorbeigeschaut hast und gleich auch bleiben möchtest. 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Natascha

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    1. Die Art von Literatur, die langsam in Vergessenheit gerät, da gebe ich dir recht..
      Deine Buchempfehlung werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen, denn „Ansichten eines Clowns“ soll nicht das einzige Werk Bölls sein, das von mir gelesen wurde – danke dafür!

      Liebe Grüße
      Natascha 🙂

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      1. Gern geschehen 🙂 und viel Spaß beim Lesen.
        „Das Brot der frühen Jahre“ wurde 1961 auch verfilmt, bekam mehrere Auszeichnungen und war der deutsche Beitrag bei den Filmfestspielen in Cannes 1962. Aber Film und Buch sind da nach meinem Empfinden völlig verschiedene Dinge.

        Liebe Grüße zurück
        Carsten

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      2. Das sieht mir ganz danach aus, als müsste ich bald mal einen Filmabend veranstalten, der auf den Romanvorlagen von Heinrich Böll basiert 😀 – denn „Ansichten eines Clowns“ wurde auch verfilmt habe ich gehört. Danke für den Hinweis!

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  1. Schön, das Buch hier wiederzufinden. Ich hab es bestimmt ein Dutzendmal gelesen. Zusammen mit Frischs ‚Homo Faber‘ DIE Offenbarung meiner Schulzeit und die finale Dosis, die mich literatursüchtig gemacht haz.

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  2. Oh, deine ganze Seite gefällt mir sehr, sehr gut! Das Buch musste ich in der Schule lesen, fand es gar nicht so großartig, aber als ich dann als Studentin nach Bonn zog und später als Lehrerin nach Köln habe ich immer wieder einmal an den Kleinkünstler mit seinen Knieproblemen gedacht! Danke für deine wirklich gut geschriebenen Beiträge und die ganze Aufmachung deines Blogs!

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    1. Ich muss zugeben, dass ich ebenfalls nicht von Anfang an den Zugang zu diesem Buch gefunden habe – zum Glück habe ich mich dann entschieden dem Buch doch noch eine Chance zu geben und habe es noch einmal von vorne gelesen – und ich habe es nicht bereut!

      Vielen Dank für die lieben Worte, die du für unseren Blog gefunden hast – sowas hört man gerne. Wir freuen uns auch, dass du gleich hiergeblieben bist! 🙂

      Ganz liebe Grüße an dich
      Natascha

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