Der Überläufer – Siegfried Lenz

Ein unentdeckter Diamant? 2016 erschien im Hamburger Traditionsverlag „Hoffmann und Campe“ das Buch „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz. Das Buch ist Teil seines Nachlasses und seiner Zeit nicht veröffentlich worden. Warum? Da es schlicht und einfach zu provokant dafür war.

Sommer 1944. Die Deutsche Wehrmacht zieht sich aus dem verlorenen Russland zurück.

Der Roman beginnt damit, dass der Protagonist, Walter Proska, eine Partisanin auf einen Zug mitfahren und verliebt sich dabei ihn sie. Bereits jetzt erkennt man den inneren Konflikt des Helden: Zwischen Ehre Angst und Liebe gefangen versucht er dem Tot in einem heißen stickigen Dschungel zu entgehen.

Der Zug explodierte kurz nachdem das Partisanenmädchen wieder verschwunden war und Walter wird von einer der Letzten Truppen aufgenommen. Diese ist bereits verrückt vor Angst, der Unteroffizier, der die Truppe leitet ein willkürlicher Mörder.

Dann passiert das was für die Geschichte eigentlich namensgebend ist: Der Walter läuft, zusammen mit einem Anderen aus seiner Truppe zu roten Arme über und Kämpft somit gegen die Wehrmacht.

Kritik – Der Überläufer – Siegfried Lenz

Lenz Sprache hat in diesen Roman, meiner Meinung nach, noch nicht den Höhepunkt erreicht, den vorher in der „Deutschstunde“ beschrieben habe. Auch kommt es mir vor, als wolle er belehrend wirken, man hört den Autor viel zu oft Zwischen den Zeilen heraus, was nichts schlechtes sein muss, meinen Geschmack aber nicht so wirklich trifft. Eines muss man Lenz aber zweifellos zugestehen: Er schafft es mit seinen Roman die Problematiken seiner Zeit ausordentlich gut darzustellen: Die Menschlichkeit der Soldaten und die Fehler des nationalistischen Denkens.

11 Antworten auf „Der Überläufer – Siegfried Lenz

  1. In eurer Titelüberschrift steht: „Ein unentdeckter Diamant?“. Nach dem Lesen des Buches, würdest ihr es als eben solches bezeichnen? Das hat sich mir noch nicht ganz erschlossen.

    Und ist das Buch für euch zeitlos? Ich frage mich nämlich, ob es eine Art Momentaufnahme aus der Kriegszeit ist, oder ob es zu jedweder Zeit spielen könnte.

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    1. Hmm… das ist eine gute Frage – muss diese aber, obwohl ich ein großer Lenz Fan bin leider verneinen – so gut fand ich es am Ende doch nicht.

      Zeitlos? Ja das schon. Aber diese „Momentaufnahme“ schafft Lenz in all seinen Werken.

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  2. Ich habe es (zusätzlich zum Portfolio auf WordPress) gern in meiner Gruppe auf FB übernommen (bzw. mit Zitat den Link geteilt). Dort gibt es viele „Leseratten“ und ich bin gespannt, ob es Rückmeldungen gibt. Nach Ihrer Buchbesprechung wird es wohl Zeit für mich, dieses Buch zu lesen.
    Vielen Dank und herzliche Grüße aus Meißen,
    Sylvia

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