Adams Erbe – Astrid Rosenfeld

Mit „Adams Erbe“ schafft Astrid Rosenfeld eine Liebesgeschichte in die tragische Zeit des Holocaust einzubauen. „Adams Erbe“ ist ein sehr bewegender aber auch humorvoller Roman. Vor allem durch ihre intensiven, manchmal grotesken, aber immer sehr überzeugenden Charakterzeichnungen kann das Buch bei seinen Lesern punkten.

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Mit „Adams Erbe“ schafft es Astrid Rosenfeld eine Liebesgeschichte in die tragische Zeit des Holocaust einzubauen. „Adams Erbe“ ist ein sehr bewegender aber auch humorvoller Roman. Vor allem durch ihre intensiven, manchmal grotesken, aber immer sehr überzeugenden Charakterzeichnungen kann das Buch bei seinen Lesern punkten.

Ein außergewöhnlicher Roman, der zu meinen absoluten Favoriten gehört.

Das Buch bringt zwei in sich geschlossene, unabhängige Handlungen mit. Was anfangs verwirrend auf den Leser wirken mag, stellt sich am Ende als ein sehr gut konstruierter Roman dar. Der erste Teil erzählt von Edward Cohen, der in der heutigen Zeit lebt, und anscheinend das Aussehen und den Charakter seines Großonkel Adam, der 1919 geboren wurde, geerbt haben soll.

Edward lernt nicht nur seinen Großvater nie kennen, auch seinen Vater bekommt er nie zu Gesicht. Dieser ist anscheinend ein Skandinavier, der seine Mutter Magda schon vor seiner Geburt verlassen hat. Nun lebt Edward und seine Mutter mit den Großeltern zusammen. Nach einigen flüchtigen Männerbekanntschaften heiratet Magda einen Mann namens Jack. Jack ist Fossilien und Edelsteinhändler und hat deshalb kein geregeltes Einkommen. Bald schon stapeln sich die Schulden, Jack wird gewalttätig, doch Edward und seine Mutter liegen ihm weiter zu Füßen.

Schließlich bricht der junge Edward die Schule ab um mit seinem Stiefvater durchs Land zu ziehen – der sich immer noch als der „Coole“ gibt. Er bringt Edward das Autofahren und Rauchen bei. Als Erwachsener hat Edward immer noch nichts Richtiges gelernt, macht aber gutes Geld indem er in Berlin Stoffpuppen verkauft.

Nachdem die Großeltern gestorben waren sucht er wieder die Wohnung seiner Kindheit auf und findet dort einen Karton mit Erinnerungen an dem Großonkel, von dem es immer hieß, er habe seinen Charakter und sein Aussehen geerbt.

Damit beginnt die zweite Geschichte.

Adam ist zu nichts zu gebrauchen. Dennoch ist er der Liebling seiner Großmutter, die fortwährend versucht ein Talent in ihm zu finden und ihn deshalb in allen möglichen dingen unterrichtet. Sein Vater hingegen bleibt ein Mysterium für den Jungen Adam; der kriegsverliebte Ex-Soldat schließt sich geplagt von Depressionen in seinem Zimmer ein und verlässt dieses nie.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland beginnen Adam und seine Großmutter Edda die Gesichter der Machthaber auszuschneiden und aufzuhängen. Edda will den Jungen beibringen aus den Gesichtszügen zu lesen, und findet sich, nachdem Hitler mit seiner Hetzkampagne gegen die Juden anfängt in ihrer Theorie bestätigt, dass er Alkoholiker ist.

Adam verliebt sich in eine polnische Jüdin namens Anna, die wenig später ins Warschauer Getto gebracht wird. Blind vor Liebe geht Adam ein unglaubliches Risiko ein, indem er sich neue Papiere besorgt und als Rosenzüchter bei einem hohen Offizier in Warschau anfängt zu Arbeiten um seine geliebte Anna zu suchen.

Ein Roman mit zwei Geschichten? Macht das Sinn, oder besser, kann das überhaut funktionieren? Die Antwort ist eindeutig: Ja, kann es!

Astrid Rosenfeld konstruiert mit ihren Raum eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, ohne dabei zu langweiligen. Während die erste Geschichte vor allem durch ihren Scharm und ihren Witz punkten kann, ist es der unbeugsame Wille Adams in der Zweiten, welcher den Leser besonders berührt.

Der Roman „Adams Erbe“ ist eine der interessantesten Neuerscheinung der letzten Jahre, und kann vor allem durch sehr tiefgreifende Charakterskizzen überzeugen, welche, wenngleich durch ein schweres Schicksal geplagt nie den Mut verlieren.

11 Antworten auf „Adams Erbe – Astrid Rosenfeld

  1. Hallo Herr Plattner,

    vielen Dank für diese großartige Buchbesprechung. Ich hatte sie diese Tage auf FB in meiner Gruppe „Gegen das Vergessen“ geteilt und hoffe, Ihnen ist das recht.
    Auch habe ich Ihren Beitrag im Portfolio verlinkt:
    https://sckling.wordpress.com/portfolio/gegen-das-vergessen/.

    Viele Künstler/Blogger haben sich bisher an dem Projekt beteiligt, was mich sehr freut. Auch weiterhin möchte ich „Gegen das Vergessen“ nicht in Vergessenheit geraten lassen.

    Herzliche Grüße

    Sylvia

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    1. Hallo Sylvia,

      Sie fragen, ob mir das recht ist? Ich muss ehrlich sagen, dass es mich sehr freut. Die Tatsache, dass Sie meinen Artikel geteilt haben, ist ein riesiges Kompliment. Danke dafür.

      Liebe Grüße,
      David

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      1. Das freut mich wiederum sehr.
        Sollten Sie mal wieder eine Buchbesprechung mit dem Thema II. WK haben, können Sie mir gern Bescheid geben (oder einen ähnlichen Beitrag aus der Kunst/Literatur).
        Verfügen Sie über einen Account auf Facebook?

        Beste Abendgrüße
        Sylvia

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      2. Sie finden neben Adams Erbe auch noch die Deutschstunde und den Überläufer von Lenz auf unserem Blog. Sollten noch mehr Bücher zum Thema kommen, sag ich Ihnen auf jeden Fall bescheid.
        Liebe Grüße,
        David

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  2. Hallo David, ich habe im Sommer diesen Jahres begonnen, mich mit dem Holocaust zu beschäftigen. Mit eines der ersten Bücher war „Adams Erbe“! Beeindruckt hat mich besonders die Schilderung des grausamen Lebens im Konzentrationslager. Ich beschäftige mich ja gerade mit Erwin Sylvanus und seinem Stück „Korczak und die Kinder“. Das Buch von Astrid Rosenfeld hat mir beim Verstehen geholfen.

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    1. Hmm. Ich bin mir nicht sicher ob verstehen in solchen Fällen überhaupt möglich ist – also das Grauen dieser Lager. Finde dazu das was Schlink im Buch „Der Vorleser“ schreibt sehr passend.
      Viel Erfolg mit deinem Studium. 🙂

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    1. Das hast du sehr schön formuliert! Genau so ist es.
      In gewisser weise schreibt er, dass sich uns das Bild der Lager bezieht, da wir so viel darüber gelesen haben und geahnt haben (Filme). Das durch diese fielen Beschreibungen und Ausschmückungen eines jeden Autors das wäre grauen untergeht (ich hoffe ich habe mir das richtig gemerkt, es ist schön Woge Jahre her, dass ich den Vorleser Helden habe) Lg, David

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